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Thumoren
des Mediastinums
Pathologie updated:2000.07.09 |
(Nathrath, Müller, Müller-Höcker)
Anatomische Einteilung des Mediastinums
Als Mediastinum ("Mittelfell") wird der von Sternum
und Brustwirbelsäule begrenzte, vom Zwerchfell bis zur oberen Apertur
des Thorax reichende Raum zwischen den beiden Pleurasäcken bezeichnet.
Unter den zahlreichen, bis neun Kompartimente umfassenden (1) anatomischen
Klassifikationsversuchen ist die durch Orientierung am Pericardsack nur
vier Kompartimente unterscheidende Aufteilung einfach, weit verbreitet
und teilweise mit der röntgenographischen Einteilung korrelierbar:
das obere Mediastinum wird durch eine virtuelle Ebene zwischen Unterseite
des Manubrium sterni und des vierten Wirbelkörpers von den drei übrigen
("unteren") Kompartimenten getrennt: vor dem Herzbeutel das vordere
und hinter ihm das hintere Mediastinum. Das mittlere (axiale)
Mediastinum enthält außer dem Herzbeutel auch den Lungenhilus
beidseits, die Trachealgabel, den Aortenbogen, die Vena cava superior mit
den Venae brachiocephalicae und die jeweils umgebenden Lymphknoten (2,
3). Von dieser anatomischen Unterteilung weichen die röntgenographischen
Räume etwas ab: z.B. werden anatomisch Teile des Oesophagus und der
Aorta descendens im hinteren Mediastinum, röntgenographisch jedoch
im mittleren Mediastinum lokalisiert (3).
Tumorverteilung im Mediastinum
Da sich bestimmte Geschwülste im Mediastinum bevorzugt
in jeweils typischer Lokalisation entwickeln, ist diese ein differentialdiagnostisch
hilfreiches Kriterium bei der Beurteilung von mediastinalen Krankheitsprozessen.
Eine Übersicht über die topographische Verteilung der häufigsten
Tumoren in den Kompartimenten des Mediastinums zeigt Tabelle 1.
| Tabelle 1: | Topographische Verteilung der häufigsten Mediastinaltumoren (1,
2, 3) |
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Die vier häufigsten Tumorarten im Mediastinum sind Thymome, Lymphome,
Keimzelltumoren und mesenchymale, insbesonders neurogene Tumoren. Im Folgenden
werden diese im Einzelnen diskutiert, die Problematik der anderen Mediastinaltumoren
und tumorähnlichen Geschwülste wird kurz zusammenfassend in den
letzten Abschnitten abgehandelt.
Thymome, Thymuskarzinome; Klassifikation
Primäre Thymustumoren sind insgesamt selten, innerhalb des Mediastinums
macht ihr Anteil jedoch ca. 15% aller Mediastinaltumoren aus, und im vorderen-
oberen Mediastinum stellen sie mit 20-30% die häufigste Tumorgruppe
dar. In 5% der Fälle entstehen Thymome extra-mediastinal aus ektopem
Thymusgewebe, insbesondere in Lunge, Trachea und den Halsgeweben.
Zum Zeitpunkt der Diagnose ist die Mehrzahl der Patienten älter als
40 Jahre, bei etwa 40% der Patienten finden sich dann lokale, durch den
Tumor verursachte Symptome wie Dyspnoe und das Vena-cava-superior- Syndrom.
Ein wichtiger klinischer Aspekt der Thymome ist ihre Assoziation mit Autoimmunerkrankungen,
insbesondere mit der Myasthenia gravis (ca. 40% der Thymompatienten) (4,
5), auch mit der Erythroblastophthise und Hypogammaglobulinaemie. Die meisten
Patienten mit Thymomen sind allerdings frei von Symptomen, der Tumor wird
bei einer Röntgen-Untersuchung zufällig entdeckt (6).
Die ontogenetischen und histologischen Besonderheiten des Thymus haben
zu einer Vielzahl verwirrender und widersprüchlicher Klassifikationen
und Nomenklaturen der Thymome geführt. Bis zur Einengung des Begriffs
"Thymom" auf die heutige Definition als epitheliale Thymustumoren
(7) umfaßte dieser Begriff jeden Tumor, der im Thymus entstehen kann
und schloß z.B. auch Lymphome und Keimzelltumoren mit ein (8).
Heute werden für die Einteilung der eigentlichen Thymome zwei Klassifikationen
verwendet: die eine ist die Klassifikation von Levine und Rosai
(1978) (Tabelle 2), ihr Einteilungskriterium ist der Tumor-Invasionsstatus
an der Thymuskapsel, der sich als entscheidender prognostischer Faktor
und deshalb als das primäre Dignitätskriterium erwiesen hat.
| Tabelle 2: | Klassifikation der Thymome nach Levine und Rosai (9 ) |
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Die Zyto-Histomorphologie ist bei dieser Klassifikation rein deskriptiv,
nur zur Tumorcharakterisierung standardisiert, z. B. nach Epithelzellform
oder dem Ausmaß der Lymphozytenbesiedelung, aber für Einteilung
und Prognose der Tumoren fast ganz ohne Gewicht. Nur bei fehlendem Kapseldurchbruch
muß histologisch der Nachweis oder das Fehlen eindeutiger Malignitätszeichen
konstatiert werden. Entsprechend werden zwei Kategorien der malignen Thymome
unterschieden: der Kategorie 1 liegen die makromorphologischen Kriterien
der Kapselinvasion oder der Nachweis von Metastasen zugrunde, der Kategorie
2 der histologisch/zytologische Malignitätsnachweis (9, 10).
Konkurrierend mit der obigen ist die Klassifikation von Marino, Müller-
Hermelink und Kirchner (2, 11), die primär auf zytomorphologischen,
ätiopathogenetischen Gesichtspunkten und einer histogenetischen Hypothese
basiert (Tabelle 3). Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, daß sich
im normalen Thymus die epithelialen Zellen in einen medullären und
kortikalen Typ einteilen lassen und daß bei Thymomen eine
medulläre Differenzierung mit benignem Verhalten und eine kortikale
Differenzierung eher mit malignem Verhalten assoziiert ist. Der Invasionsstatus
der Thymome zeigt eine gute Korrelation mit diesem Einteilungssystem (11).
"Maligne" Thymome verhalten sich zumeist wie lokal aggressive
Geschwülste, die nach lokaler Entfernung zu Rezidiven neigen; Metastasen
werden selten beobachtet (12). Diese Klassifikation wurde 1989 um den Typ
des hochdifferenzierten Thymuskarzinoms erweitert (11, 13).
| Tabelle 3: | Klassifikation von Marino, Kirchner und Müller- Hermelink (11,
14 ) |
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Das hochdifferenzierte Thymuskarzinom ist definiert als ein organtypisches
niedrigmalignes Karzinom des Thymus mit noch erkennbaren "kortikalen"
Merkmalen. Dieses Karzinom nimmt eine Zwischenstellung zwischen den kortikalen
Thymomen und den nicht-organtypischen Karzinomen des Thymus ein.
Diese Gruppe umfaßt Karzinome mit plattenepithelialer, mukoepidermoider,
lymphoepitheliomatöser, neuroendokriner oder sarkomatoider Differenzierung.
Es wird angenommen, daß diese Tumorzellen von pluripotenten epithelialen
Zellen innerhalb des Thymus abstammen. Vorausgesetzt ist natürlich,
daß eine Metastasierung von einem Primärtumor ausgeschlossen
wurde.
Somit sind diese beiden Klassifikationen in ihren Ansätzen nicht
vergleichbar, da sie von einer völlig unterschiedlichen Definition
der prognostischen Kriterien ausgehen. In der diagnostischen Praxis ist
die Entscheidung für die eine oder andere Klassifikation nicht erforderlich;
vielmehr ist die Kapselinvasion zur Dignitätsbeurteilung gerade der
prädominant-kortikalen und der kortikalen Thymome sowie der hochdifferenzierten
Thymuskarzinome wesentlich (siehe Tabelle 3). Für die Klassifikation
von Marino, Kirchner und Müller-Hermelink spricht, daß die histologische
Zuordnung eine vom Invasionstyp unabhängige prognostische Beurteilung
eines bestimmten Tumortyps erlaubt. Gerade bei größeren Tumoren
kann die Levine-Rosai-Klassifikation notwendige Untersuchung der gesamten
Circumferenz zum Ausschluß einer Kapselinvasion sehr aufwendig und
dennoch, beispielsweise bei operationstechnischen Kapseldefekten, nicht
verläßlich sein. Darüberhinaus unterstützen neuere
molekulargenetische und immunhistologische Untersuchungen, die z.B. p53
als Markermolekül verwenden, die prognostische Anwendbarkeit der histologischen
Thymomklassifikation nach Marino, Müller-Hermelink und Kirchner (17,
18, 19).
Thymuskarzinoide sind sehr selten und treten gewöhnlich nach dem
40. Lebensjahr auf, wobei eine deutliche Prävalenz für das männliche
Geschlecht besteht. Hinsichtlich Morphologie und klinischem Verhalten sind
sie vergleichbar mit Karzinoiden in anderen Lokalisationen (2, 10, 20).
Thymuslipome sind relativ häufig (2-9% aller Thymustumoren). Sie
kommen hauptsächlich in der zweiten Lebensdekade vor. Wie bei den
Thymomen besteht eine Beziehung zur Myasthenia gravis. Die Tumoren können
sehr große Ausmaße annehmen (68% über 550g, 23% über
2000g) (8). Histomorphologisch bestehen sie aus reifem Fettgewebe und Thymusresten
(dadurch abgrenzbar von extrathymischen Mediastinallipomen, s.u.). Sie
verhalten sich benigne (2, 8, 10, 20).
Vorbemerkung
Primäre Lymphome des Mediastinums entstehen im Bereich
des Thymus oder benachbarter Lymphknoten. Grundsätzlich können
alle Typen maligner Lymphome im Mediastinum auftreten. Von besonderer diagnostischer
Bedeutung sind in dieser Lokalisation aber vor allem der Morbus Hodgkin,
das primär großzellige sklerosierende Lymphom des Mediastinums
und das lymphoblastische Lymphom (2, 20, 21).
MorbusHodgkin
Der Morbus Hodgkin ist das häufigste Lymphom im Mediastinum.
Der dort häufigste histologische Subtyp in dieser Lokalisation ist
der nodulär sklerosierende Typ. Bezüglich der prognostischen
Beurteilung gelten dieselben Kriterien wie für Hodgkin Lymphome in
anderer Lokalisation (2, 20, 21).
Primäres großzelliges skleosierendes Lymphom des Mediastinums
Abzugrenzen vom Morbus Hodgkin ist das primäre großzellige
Lymphom des Mediastinums. In Vergleich zum Morbus Hodgkin ist es bedeutend
seltener und tritt vorwiegend bei jungen Frauen im Alter von 15 bis 35
Jahren auf. Es handelt sich um ein hoch malignes Non-Hodgkin-Lymphom vom
B-Zell-Typ mit ausgeprägter Sklerose. Die Prognose ist schlecht, weshalb
besonders aggressive Therapien bei diesem Tumor angewandt werden (22, 23,
24).
Lymphoblastisches Lymphom
Das lymphoblastische Lymphom ist das häufigste Lymphom
im Kindesalter im Mediastinum. Es ist ein Non-Hodgkin-Lymphom hohen Malignitätsgrades
zumeist vom T-Zell-Typ und ist häufig mit einer T-Zell-Leukämie
assoziiert (21, 25).
Keimzelltumoren sind nahezu ausschließlich im vorderen Mediastinum
lokalisiert und treten vorwiegend bei jungen Erwachsenen auf. Alle Subtypen,
die in den Gonaden beschrieben sind, können auch primär im Mediastinum
vorkommen (26). Reife Teratome machen mit 75% den größten Anteil
der Keimzelltumoren aus; sie sind benigne. Bei den malignen Tumoren wie
unreifes Teratom, Seminom, embryonales Karzinom, endodermaler Sinustumor
und Choriokarzinom ist es wichtig, eine mediastinale Metastasierung eines
oft sehr kleinen primären genitalen Tumors auszuschließen (2,
20, 26).
Die häufigsten mesenchymalen Tumoren im Mediastinum sind neurogene
Tumoren. Sie sind zumeist im hinteren Mediastinum lokalisiert (2, 3, 8,
10, 20, 27, 28). Bei Kindern unter 6 Jahren handelt es sich fast immer
um Neuroblastome (28) bzw. Ganglioneuroblastome. Bei Patienten über
zwanzig Jahre sind Neurofibrome, Ganglioneurome und Schwannome die häufigsten
Tumortypen. Paragangliome können in jedem Kompartiment des Mediastinum
vorkommen. Im oberen vorderen Mediastinum, in Nachbarschaft der Herzbasis
sind sie besonders häufig. Sie wachsen lokal aggressiv und haben eine
hohe Rezidivrate nach operativer Entfernung (29, 30).
Andere mesenchymale Tumoren wie Lipome (abgrenzbar von den Thymuslipomen,
s.o.), Lymphangiome, Hämangiome und Fibrome sind bedeutend seltener
und können in allen Kompartimenten lokalisiert sein. Das Liposarkom
ist der häufigste maligne mesenchymale Tumor des Mediastinums im Erwachsenenalter
(2, 20).
Insbesondere bei Tumoren im oberen Mediastinum müssen differentialdiagnostisch
auch Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsentumoren in Betracht gezogen
werden. Bei beiden Tumoren besteht die Möglichkeit einer direkten
Ausbreitung vom Hals oder einer Entstehung in ektopen Geweben.
Eine andere wichtige Differentialdiagnose sind isolierte Mesotheliome des
Mediastinums, die vom Pericard oder der medialen Pleura ausgehen, zum Teil
aber auch keinerlei nachweisbare Beziehung zu einer mesothelialen Oberfläche
haben (2, 20).
Äußerst selten sind Ependymome (27), Meningeome, Histiocytosis
X und eine extramedulläre Hämatopoese. Letztere wird sehr selten
bei hereditärer Sphärozytose und bei Thalassämie beschrieben
(2, 20).
Hyperplasie des Thymus
Unter dem Begriff "Hyperplasie" wird zumeist eine
Transformation des Thymusgewebes verstanden, die mit einer Lymphfollikelhyperplasie
einhergeht, aber nicht mit einer Größenzunahme des Organs assoziiert
sein muß (5). Diese Art der Hyperplasie ist insbesondere mit Myasthenia
gravis assoziiert (in mehr als 75% der Fälle), wird aber auch bei
anderen Erkrankungen wie Lupus erythematodes, Morbus Addison, rheumatoider
Arthritis und Leberzirrhose beobachtet. Eine sogenannte "echte Hyperplasie"
des Thymus, die mit einer Größenzunahme des Organs einhergeht,
ist sehr selten.
Morbus Castleman
Der sogenannte Morbus Castleman ("giant lymph node hyperplasia",
angiofollikuläre Lymphknotenhyperplasie) (5, 7) ist üblicherweise
im vorderen oberen Mediastinum lokalisiert. Er geht mit einer beträchtlichen
Lymphknotenvergrößerung einher, die Ausmaße von bis zu
16 cm erreichen kann. Es handelt sich jedoch um eine benigne Erkrankung,
deren Ätiopathologie zwar nicht ganz klar ist, bei der aber angenommen
wird, daß es keine Neoplasie sondern eine reaktive Hyperplasie ist.
Cysten
Eine der häufigsten Ursachen für Raumforderungen im
Mediastinum insbesondere bei jungen Patienten sind Cystenbildungen als
Folge kongenitaler Mißbildungen. Thymuscysten im vorderen oberen
Mediastinum können sehr groß werden. Es ist wichtig, sie von
einer Cystenbildung innerhalb eines Thymoms abzugrenzen. Im mittleren Mediastinum
treten vorwiegend perikardiale (bzw. pleuroperikardiale) und bronchogene
Cysten auf. Im posterioren Mediastinum sind zumeist gastroenterale Cysten
lokalisiert (2, 20).
Entzündungen
Geschwulstbildungen durch entzündliche Veränderungen
finden sich hauptsächlich im vorderen und mittleren Mediastinum und
sind häufig verursacht durch Lymphadenopathien wie Tuberkulose, Sarkoidose
oder Pilzinfektionen. Selten handelt es sich um eine chronische Mediastinitis.
Dies ist eine Entzündungsform unbekannter Ätiologie, die zumeist
junge Männer befällt und mit einer ausgeprägten tumorähnlichen
Fibrosklerose einhergeht (2, 31, 32).
Literatur:
Das Mediastinum beherbergt aufgrund seiner anatomischen und ontogenetischen
Eigentümlichkeiten das oben erwähnte Spektrum von Tumoren und
tumorartigen Gebilden, die sich nach Organzugehörigkeit, Histologie,
biologischem Verhalten und Prognose als sehr inhomogen darstellen. Neben
harmlosen Fehlbildungen und gutartigen Geschwülsten finden sich alle
Übergänge bis zu hochmalignen Formen. Da mehr als 40% der Mediastinaltumoren
maligne oder potentiell maligne sind, primär gutartige Geschwülste
aber im weiteren Verlauf maligne entarten oder bei Größenzunahme
Druckerscheinungen und Beschwerden hervorrufen können, ist grundsätzlich
die operative Entfernung, zumindest aber die histologische Sicherung anzustreben
(1/2).
Die zweckmäßige Einteilung in ein vorderes, mittleres und hinteres
Mediastinum erlaubt nach der bevorzugten Lokalisation der häufigsten
Tumorformen bereits eine orientierende differentialdiagnostische Eingrenzung
(Abbildung 1). Die topographische Verteilung der verschiedenen Tumoren
ist bereits aufgeführt. Als nicht-neoplastische Ursachen können
eine substernale Struma, eine Morgagni'sche Hernie, Zysten verschiedener
Herkunft und Angiodysplasien zu einer mediastinalen Raumforderung führen.
| Abbildung 1: | Chirurgische Einteilung des Mediastinums |
![]() |
Klinik und Labordiagnostik
Die meisten Mediastinaltumoren werden zufällig anläßlich
einer Routine-Röntgen-Aufnahme des Thorax entdeckt. Die typischen
und häufig pathognomonischen klinischen Zeichen wie retrosternales
Druckgefühl, Horner-Syndrom, Recurrens- oder Phrenicusparese, Einflußstauung,
Schluck- und Atembeschwerden sind eher selten, weisen dann aber auf ein
fortgeschrittenes Tumorstadium hin und bedeuten nicht selten Inoperabilität.
Bei Thymomen können typische klinische Symptome wie Myasthenie, Anämie
(pure red cell aplasia) oder Hypogammaglobulinämie erste Hinweise
auf einen Mediastinaltumor sein. Beim kindlichen Neuroblastom können
hypertone Blutdruckwerte (gesteigerte Katecholamin-Produktion) aber auch
eine Flush-Symptomatik auf den Tumor hinweisen.
Bei zunächst unklarer Diagnose sind folgende Laboruntersuchungen erforderlich:
Das Blutbild mit Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten und Differential-
Blutbild kann z.B. bereits auf eine Hypoplasie der Erythropoese oder auf
ein Lymphom bzw. eine Leukose hinweisen. Die LDH spiegelt mit hoher Aussagekraft
die Aktivität von Lymphomen, Leukosen und soliden Tumoren wider. Bei
dem geringsten Verdacht auf einen malignen Keimzelltumor sollten AFP und
Beta-hCG im Serum bestimmt und wegen der besonders raschen Verfügbarkeit
ein Schwangerschaftstest im Urin durchgeführt werden.
Bildgebende Verfahren
und Endoskopie
Unter den bildgebenden Verfahren kommt der Computertomographie
mit Kontrastmittelverstärkung eine zentrale Bedeutung zu. Neben der
exakten Lokalisation, die differentialdiagnostisch bereits eine Verdachtsdiagnose
zuläßt, liefert diese Untersuchung wichtige Informationen bzgl.
Tumorausdehnung und Beziehung zu Nachbarorganen. Strukturelle Details wie
Verkalkungen, zystische Areale lassen Schlüsse auf die Art des Tumors
zu. Die MR-Tomographie ist besonders aussagekräftig bei neurogenen
Tumoren zum Nachweis intraspinaler Tumoranteile (3). Zusätzliche Informationen
bei bestimmten Fragestellungen liefern Ösophagographie und endoluminale
Ultraschallsonographie (EUS), Angiographie (z.B. mediastinale Phlebographie)
und Szintigraphie (intrathorakale Struma). Bronchoskopie und Ösophagoskopie
sind hilfreich zum Ausschluß oder Nachweis einer Kompression oder
Invasion dieser Organe.
Entsprechend der wahrscheinlichsten Arbeitsdiagnose werden ergänzende
Untersuchungen zur exakten Stadieneinteilung notwendig. Bereits bei Verdacht
auf einen malignen primär extragonadalen oder auf Metastasen eines
gonadalen Keimzelltumors ist eine sorgfältige urologische Untersuchung
einschließlich Sonographie der Hoden erforderlich.
Histologische Sicherung - Bioptische
Verfahren
Bei der Mehrzahl der Mediastinaltumoren wird bei lokaler und
funktioneller Operabilität die primäre Resektion des Tumors angestrebt.
Histologische Sicherung und definitive Therapie fallen dann zusammen. Als
Zugang für das vordere Mediastinum dient im allgemeinen die Sternotomie,
bei Thymomen, die sich vorwiegend in eine Pleurahöhle entwickelt haben,
kommt auch eine anterolaterale Thorakotomie in Frage. Das hintere Mediastinum
ist durch eine anterolaterale oder posterolaterale Thorakotomie gut zugänglich.
Minimal-invasive Eingriffe (Thorakoskopie oder Mediastinoskopie) können
bei umschriebenen Tumoren oder Zysten zur histologischen Sicherung oder
als definitive Therapie sinnvoll zum Einsatz kommen (4). Eine histologische
Sicherung durch Probeentnahme ist erforderlich bei Lymphomen, bei Keimzelltumoren,
bei primär nicht resektabel erscheinenden Tumoren und bei Verdacht
auf Metastasen. Die CT-gesteuerte Punktion (Feinnadel oder Stanze) ist
am wenigsten invasiv, das gewonnene Material ist jedoch oft zur exakten
histologischen Klassifizierung, z.B. bei Lymphomen, nicht ausreichend.
Besser geeignet sind Mediastinoskopie, bei retrosternalen Tumoren die parasternale
Mediastinotomie (2. oder 3. ICR) oder die Thorakoskopie (hinteres Mediastinum).
Eine rein diagnostische Sterno- oder Thorakotomie ist selten indiziert
(5).
Bei Tumoren des vorderen oberen Mediastinums mit Kompression der V. cava
superior oder des Tracheobronchialsystems kann es bei Narkoseeinleitung
mit Muskelrelaxation zu lebensbedrohlichen kardiorespiratorischen Problemen
kommen. Diagnostische Eingriffe sollen daher nach Möglichkeit in Lokalanästhesie
durchgeführt werden. Ist ein operativer Eingriff unumgänglich,
so ist in Kenntnis der Risiken eine spezielle Narkosetechnik erforderlich
(6). Eine Therapieeinleitung (Chemotherapie, Steroide, Strahlentherapie)
ohne sichere histologische Diagnose ist nur in sehr seltenen Einzelfällen
mit Kontraindikationen gegenüber jeglichen chirurgischen Eingriffen
zu rechtfertigen.
Therapie
Die überwiegende Zahl der Mediastinaltumoren wird primär
operativ im Rahmen eines diagnostisch-therapeutischen Eingriffes entfernt.
Ausnahmen hiervon sind, wie oben erwähnt, die malignen Lymphome, die
malignen extragonadalen Keimzelltumoren und primär nicht resektable
Tumoren, die multimodal behandelt werden, sowie Metastasen. Da im allgemeinen
vitale Strukturen bei Entfernung eines Mediastinaltumors wenig tangiert
werden, tolerieren Patienten auch im vorgerückten Alter den Eingriff
meistens gut. Sind jedoch erweiterte Resektionen zu erwarten (Lunge, Brustwand),
so ist eine genauere Risikoabschätzung und eine vorherige histologische
Sicherung erforderlich, um gegebenenfalls auf andere Therapieformen zurückgreifen
zu können. Während die operative Behandlung in den meisten Fällen
namentlich bei gutartigen Tumoren und Zysten technisch einfach ist und
keiner zusätzlichen Therapie bedarf, erfordern bestimmte Tumoren ein
exakt geplantes, histologie- und stadiengerechtes multimodales Vorgehen.
Eine Beteiligung der mediastinalen Lymphknoten im Rahmen einer lymphatischen
Systemerkrankung imponiert häufig im Röntgenbild als "Mediastinaltumor".
Weisen typische radiologische Kriterien oder eine B- Symptomatik differentialdiagnostisch
in diese Richtung, so ist unverzüglich durch eine ausgiebige Probeexzision
(Mediastinoskopie, parasternale Mediastinotomie) repräsentatives Gewebe
für histologische und immunhistologische Untersuchungen zu gewinnen.
Bei Mitbeteiligung extrathorakaler Lymphknoten können diese leicht
zur Biopsie und Diagnosesicherung herangezogen werden.
Im Fall einer diagnostischen Sterno- oder Thorakotomie ermöglicht
die intraoperative Gefrierschnittuntersuchung oft keine eindeutige Diagnose,
insbesondere ist eine Differenzierung zwischen Lymphomen und bestimmten
Formen von Thymomen oft nahezu unmöglich. In diesem Fall ist man berechtigt,
einen gut resektablen Tumor zu entfernen, während man sich bei einem
ausgedehnten Befund auf eine Probeexzision beschränken wird.
Nach histologischer Sicherung und exaktem Staging erfolgt die Behandlung
stadiengerecht nach den Richtlinien radiologischer und internistischer
Onkologie (7). Für die Mehrzahl der Patienten mit malignen Lymphomen
stehen heute hochwirksame Chemotherapie-Kombinationen und/oder Strahlenprotokolle
zur Verfügung. Diese führen zu hohen Remissionsraten (und damit
zu beeindruckenden klinischen Besserungen) und ermöglichen in einem
hohen Prozentsatz Heilungen. Während niedrig-maligne Non-Hodgkin-
Lymphome der Stadien I und II üblicherweise radiotherapiert werden,
steht bei fortgeschritteneren Stadien und bei hoch-malignen Lymphomen die
primäre Chemotherapie im Vordergrund. Das sehr differenzierte stadien-
und histologiegerechte Vorgehen bei den Hodgkin- und der Non-Hodgkin- Lymphomen
ist in dem "Manual zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner
Lymphome" des Tumorzentrums München ausführlich dargestellt.
Diese Gruppe von Tumoren umfaßt benigne Teratome, Seminome und nicht-
seminomatöse Keimzelltumoren. Betroffen sind fast ausschließlich
jüngere männliche Patienten. Bei den malignen Formen ist immer
eine multimodale Therapie mit Schwerpunkt Chemotherapie erforderlich.
Benignes Teratom
Bei einer Häufigkeit von 3 - 5% aller Mediastinaltumoren
liegen Teratome zu 95% im vorderen Mediastinum. Sie enthalten Gewebeanteile
aller 3 Keimblätter, bei überwiegender ektodermaler Komponente
spricht man von Dermoid-Tumoren. Im CT sind die Tumoren zur Umgebung hin
gut abgegrenzt mit zystischen Arealen und Verkalkungen (Zahnanlagen, Knochenbildung).
AFP und hCG sind nicht erhöht. Die chirurgische Entfernung bietet
meist keine Schwierigkeiten, Rezidive sind selten.
Maligne Keimzelltumoren
Diese Tumoren leiten sich von versprengten, totipotenten Zellen
aus einer frühen Phase der Embryonalentwicklung ab; auch andere Entstehungstheorien
werden diskutiert (2). Obwohl das histologische Bild dem gonadaler Keimzelltumoren
entspricht, besteht kein Zusammenhang mit einer gonadalen Tumormanifestation.
Die Abgrenzung der reinen Seminome von der Gruppe der nicht- seminomatösen
Tumoren ergibt sich wegen unterschiedlicher therapeutischer Ansätze,
die sich bei der Behandlung gonadaler Keimzelltumoren bewährt haben.
Seminome
Typischerweise im vorderen oberen Mediastinum lokalisert wachsen
diese Tumoren relativ langsam, 30 - 40% haben zum Zeitpunkt der Diagnose
noch keine Metastasen gesetzt. In 10% der Fälle ist hCG erhöht,
während AFP normal ist. Die Prognose von Tumoren, die mit einer erhöhten
Serumkonzentration von hCG einhergehen, unterscheidet sich aber nicht von
der hCG-negativer Tumoren. Das Tumorgewebe ist strahlensensibel. Bei gleichzeitiger
Erhöhung von hCG und AFP ist von einem Mischtumor auszugehen; die
Behandlung entspricht dann der nicht-seminomatöser Keimzelltumoren.
Nach exaktem Staging (vor allem Ausschluß von Lungen- und Skelett-
Metastasen) ist bei lokalisiertem Tumor die Operation angezeigt, wobei
unbedingt eine R0-Resektion anzustreben ist. Sollte dies nicht gelingen,
ist eine postoperative Bestrahlung indiziert. Bei lokal begrenzten, aber
inoperablen Seminomen steht die lokale Strahlentherapie als Behandlung
im Vordergrund. Aufgrund der hohen Strahlensensibilität dieses Tumors
ist auch mit dieser Behandlung eine lokale Tumorkontrolle und damit eine
5- Jahresüberlebensrate von bis zu 100% zu erreichen. Die erforderlichen
Strahlendosen liegen je nach Autor zwischen 35 und 45 Gy (8).
Mit zunehmender Größe des Primärtumors steigt das Risiko
von Fernmetastasen. Zudem werden die notwendigen Strahlenfelder so groß,
daß die Belastung der umliegenden Normalgewebe zu groß wird.
Daher wird man heute im allgemeinen bei sehr großen Tumoren eine
primäre Chemotherapie einleiten, selbst wenn noch keine Fernmetastasen
nachweisbar sind (8). Mit Cisplatin-haltigen Kombinationen können
heute selbst in metastasierten Stadien in 60 - 90% Vollremissionen erreicht
werden. Günstige Ergebnisse werden besonders mit Cisplatin/Ifosfamid
in Kombination mit Vinblastin oder mit Cisplatin- und Vepesid-haltigen
Kombinationen erzielt, Heilungen sind selbst in metastasierten Stadien
möglich (9). Die Bedeutung der sekundären Resektion von Tumorresten
nach erfolgter Chemotherapie ist noch nicht endgültig beurteilbar
(9, 10).
Nicht-seminomatöse Keimzelltumoren
Bei den extragonadalen Keimzelltumoren des Mediastinums überwiegen
Dottersack-Tumoren (Yolk sac tumor), häufig in Kombination mit anderen
Tumorkomponenten. Reine Trophoblasten-Tumoren sind sehr selten. Entsprechend
der Dottersack-Komponente findet sich bei fast allen Patienten eine Erhöhung
des AFP. Erhöhte Beta-hCG-Serumspiegel werden nur in knapp der Hälfte
der Patienten gefunden, wobei die Werte meist nur mäßig erhöht
sind. In 22% der Fälle ist eine Assoziation mit einem Klinefelter-Syndrom
beschrieben (9).
Das therapeutische Vorgehen bei den nicht- seminomatösen Keimzelltumoren
des Mediastinums ist in Abbildung 2 schematisch dargestellt. Heute wird
primär mit Cisplatin-haltigen Kombinationen behandelt. Nach Erreichen
normaler Tumormarker werden alle Tumorreste reseziert. Bei Nachweis von
vitalem nicht-seminomatösem Tumorgewebe sollten zwei weitere Therapiezyklen
angeschlossen werden. Finden sich in den Resektaten nur noch Nekrose und
Narbengewebe oder reifes Teratom, kann auf eine weitere Therapie verzichtet
werden. Bei primärem Nichtansprechen versucht man, durch eine Salvage-
Therapie doch noch eine Remission und wiederum durch eine nachfolgende
Operation Tumorfreiheit zu erzielen. Kommt es auch unter einer Salvage-Therapie
nicht zu einem ausreichenden Ansprechen, ist die Prognose auch unter Anwendung
einer Hochdosis-Therapie extrem schlecht. Bei konsequenter Therapie ensprechend
dem hier dargestellten Vorgehen kann ein rezidivfreies Langzeitüberleben
heute immerhin in etwa 50 - 70% erzielt werden (2/9).
| Abbildung 2: | Behandlungsplan der nicht-seminomatösen Keimzelltumoren |
![]() |
Epitheliale Thymus-Tumoren (Thymome, Thymus-Karzinome) sind mit 20%
die häufigsten Geschwülste im vorderen Mediastinum, in 20- 30%
der Fälle verbunden mit einer Myasthenia gravis. Seltenere assoziierte
Syndrome sind Hypogammaglobulinämie und Erythrozytopenie. Einen wesentlichen
Fortschritt in der prognostischen Beurteilung der Thymus-Tumoren stellen
die neue Klassifizierung nach Kirchner und Müller-Hermelink (11) sowie
die verbesserte, den klinischen Verläufen sehr gut entsprechende Stadieneinteilung
nach Masaoka dar (12), die in Tabelle 1 dargestellt ist. Die zytomorphologisch
benignen, biologisch sich aber sehr unterschiedlich verhaltenden Thymome
werden in folgende Typen mit zunehmendem Malignitätsgrad eingeteilt:
Medulläre, gemischte, vorwiegend kortikale und kortikale Thymome.
Dieser Gruppe werden die sehr seltenen Thymus-Karzinome gegenübergestellt
mit einer hochdifferenzierten kortikalen Form und einer Gruppe unterschiedlich
differenzierter Karzinome. Die präzisere klinische Stadieneinteilung
nach Masaoka ist der weit verbreiteten Einteilung nach Bergh vorzuziehen.
| Tabelle 1: | Stadieneinteilung der epithelialen Thymus-Tumoren nach Masaoka (11) |
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Therapie
Die stadienabhängige Therapieplanung beim Thymom ist in Tabelle 2
dargestellt. Die primäre transsternale oder transpleurale Resektion
ist die Therapie der Wahl bei allen resektabel erscheinenden Thymus-Tumoren,
wobei die komplette Tumorentfernung auch bei den Thymus-Karzinomen der
entscheidende prognostische Faktor ist. Ein wichtiges Kriterium, das bei
den verschiedenen Stadieneinteilungen entsprechend berücksichtigt
wird, ist der Nachweis einer Invasion oder Penetration der bindegewebigen
Tumorkapsel, ein Befund, der manchmal vom Operateur besser zu beurteilen
ist als vom Pathologen. Um ein exaktes Staging zu erzielen, sollte nach
Möglichkeit eine "Ausräumung" des vorderen Mediastinums
durchgeführt werden unter Mitnahme des Fett-/Bindegewebes, des Rest-
Thymus, der erreichbaren mediastinalen Lymphknoten und ggf. mit Perikardfensterung.
Im Stadium I kann nach einer kurativen Operation auf eine Nachbestrahlung
verzichtet werden. Sollte in einem vorherigen Eingriff (z.B. zur histologischen
Sicherung) die Kapsel verletzt worden sein, empfiehlt sich auch im Stadium
I die postoperative Radiotherapie. In allen Fällen eines lokal fortgeschrittenen
Tumorstadiums (ab Stadium II nach Masaoka) ist unabhängig vom Erfolg
der Operation eine postoperative Radio-Therapie indiziert mit Ausnahme
des medullären und des gemischten Typs. Ohne Nachbestrahlung treten
bei bis zu 30% der Patienten Lokalrezidive auf. Infolge der Strahlensensibilität
des Tumors wird die Häufigkeit von Tumorrezidiven mit Strahlendosen
zwischen 35 und 50 Gy deutlich reduziert. Die Applikation von Gesamtdosen
von mehr als 50 Gy als primäre und alleinige Therapie wird noch kontrovers
beurteilt.
| Tabelle 2: | Stadienabhängige Therapieplanung von Thymomen |
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Eine Chemotherapie des invasiven Thymoms ist nur dann in Erwägung
zu ziehen, wenn lokale Maßnahmen wie Operation und/oder Strahlentherapie
wegen der lokalen Ausdehnung oder wegen Fernmetastasen nicht möglich
sind. Wegen der meist geringen Fallzahlen kann eine verbindliche Angabe
für ein bestimmtes Protokoll zur Zeit nicht gegeben werden (8, 13,
14). Adriamycin, Cisplatin und Alkylantien zählen zu den effektiven
Substanzen, die in verschiedenen Kombinationen (8, 14), oft unter Zugabe
von Steroiden, Anwendung finden. Mit solchen Kombinationen werden zwar
in ca. 55% bis 90% Remissionen erzielt, der Anteil langanhaltender Vollremissionen
ist jedoch niedrig. Ist die Indikation für eine Chemotherapie gegeben,
kommt häufig die Kombination von Cyclophosphamid, Adriamycin, Oncovin
(= Vincristin) und Prednison, das sogenannte CHOP-Protokoll, zum Einsatz
(15). In Einzelfällen werden auch günstige Ergebnisse bei Behandlung
nach dem COPP-Protokoll beschrieben. Die Kombination besteht aus Cyclophosphamid,
Oncovin, Prednison und Procarbazin (15). Beide Protokolle kommen in der
Therapie der Non-Hodgkin- bzw. Hodgkin-Lymphome zur Anwendung und sind
im Lymphom- Manual des TZM München zu finden.
Cisplatin-haltige Kombinationen gewinnen in der Therapie der fortgeschrittenen
Thymome vermehrt an Bedeutung. Von den verschiedenen möglichen Protokollen
bietet sich z.B. eine von Fornasiero et al. angegebene Kombination (16)
sowie das BAPP-Protokoll an, das in Tabelle 3 dargestellt ist (17). Bei
dieser nebenwirkungsreichen Therapie sind die Durchführungsbestimmungen
für und die Kontraindikationen gegen Cisplatin (u.a. Nephrotoxizität)
und Adriamycin (u.a. Kardiotoxizität, schwerste Gewebenekrosen bei
Paravasaten) zwingend zu beachten. Kommt es nach zunächst erfolgreicher
kurativer Therapie (Operation und/oder Bestrahlung) zu einem Rezidiv, so
sollten zunächst wiederum lokale Therapiemaßnahmen zur Anwendung
kommen. Nur falls diese technisch nicht mehr möglich sind, kann eine
der o.g. Formen der Chemotherapie Anwendung finden.
| Tabelle 3: | BAPP-Chemotherapie des fortgeschittenen Thymoms |
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75% der Tumoren des hinteren Mediastinums sind neurogenen Ursprungs. Entsprechend
ihrer ontogenetischen Abstammung von Zellen der embryonalen Ganglienleiste
liegen sie überwiegend im Sulcus costovertebralis. Von den Tumoren
der Nervenscheide (Schwannom, Neurofibrom) unterscheidet man diejenigen,
die von neuralem oder neuroendokrinem Gewebe abstammen (Neuroblastom, Gangliom-Neurom,
peripheres Neuroepitheliom, Phäochromozytom). Bei der Differenzierung
ist die immunhistochemische Bestimmung von S-100 und NSE hilfreich. Schwannome
und Neurofibrome (besonders ihre malignen Varianten) können mit einem
Morbus von Recklinghausen oder anderen Phakomatosen assoziiert sein. Die
Geschwülste entwickeln sich meist asymptomatisch, können aber
gelegentlich zu lokalen Druckerscheinungen (Horner-Syndrom, Plexus-Irritation),
bei Einwachsen in den Spinalkanal über das Foramen intervertebrale
(Sanduhr-Geschwülste) zu mehr oder weniger ausgeprägter Querschnittssymptomatik
führen. Bei diesen Tumoren kommt der präoperativen Diagnostik
mittels MRT eine besondere Rolle zu. Der häufigste neurogene Tumor
im Kindesalter mit schlechter Prognose ist das Neuroblastom.
Die Behandlung der benignen Formen besteht in der kompletten chirurgischen
Entfernung, wobei im Fall von Sanduhr-Geschwülsten gelegentlich ein
zweizeitiges Vorgehen (in Kooperation mit Neurochirurgie) empfehlenswert
ist. Bei den malignen Formen (malignes Schwannom, Neuroblastom, peripheres
Neuroepitheliom (= Askin's-Tumor), malignes Phäochromozytom) ist bei
lokal operablen Tumoren ebenfalls die möglichst komplette Resektion,
bei fortgeschrittenen Tumorstadien ein "Debulking" zu versuchen.
Anschließend können multimodale Therapien versucht werden, wobei
wegen der meist lokalen Probleme die lokale Strahlentherapie ganz im Vordergrund
steht.
Bei einer Geschwulstbildung im oberen vorderen Mediastinum ist differentialdiagnostisch
auch an einen intrathorakalen, meist substernalen Anteil einer Struma zu
denken. Durch Obstruktion der oberen Thoraxapertur kommt es zu Einflußstauung
mit Kollateral- Kreisläufen, Kompression und Verdrängung von
Trachea und Ösophagus typischerweise nach links. Selten entwickelt
sich ein intrathorakaler Strumaanteil entlang der Trachea auch in das hintere
Mediastinum und nimmt dann den Raum zwischen Ösophagus, Trachea, Vena
azygos und Vena cava ein (18). Nahezu immer besteht eine Verbindung zur
zervikalen Schilddrüse, von der auch die Blutversorgung stammt (Struma
intrathoracalis alliata). Die echte intrathorakale, von einer aberrierenden
Schilddrüsenanlage stammende Struma mit eigener mediastinaler Blutversorgung
stellt eine absolute Rarität dar. Neben dem obligaten CT ist ein Schilddrüsenszintigramm
angezeigt, wobei ein negativer Befund nicht unbedingt gegen eine intrathorakale
Struma spricht. Infolge regressiver Veränderungen erweisen sich intrathorakale
Strumaanteile gelegentlich als szintigraphisch stumm. Hilfreich ist in
diesem Fall die Punktionsbiopsie (5).
Wegen der drohenden mechanischen Probleme ist eine frühzeitige Resektion
indiziert. Entsprechend den erwähnten anatomischen Gegebenheiten läßt
sich, wie große Statistiken zeigen, die typische retrosternale Struma
von einem rein zervikalen Zugang aus meist ohne Schwierigkeiten entwickeln
(18). Nur selten ist eine zusätzliche partielle oder komplette Sternotomie
erforderlich. Bei der seltenen intrathorakalen Struma im hinteren Mediastinum
ist hingegen eine zusätzliche rechtsseitige Thorakotomie angezeigt.
Der Eingriff beginnt immer von zervikal her mit Versorgung der Blutgefäße
und Darstellung der Nervi recurrentes. Nur bei einem rein intrathorakalen
Rezidiv-Tumor sollte primär ein thorakaler Zugang gewählt werden.
Die Gefahr einer Tracheomalazie wird meist überschätzt, eine
Tracheotomie ist nur bei beiderseitiger Recurrensparese erforderlich (19).
Da es sich in der Regel um benigne Strumen handelt und die mechanischen
Probleme ganz im Vordergrund stehen, spielen nicht-operative Verfahren
eine untergeordnete Rolle. Auch im Falle einer malignen Struma ist für
eine effektive Radio-Jod-Therapie eine möglichst komplette Tumorreduktion
unabdingbar. Bei Inoperabilität der malignen Struma kann zur Entlastung
von Trachea und Ösophagus eine externe Bestrahlung versucht werden,
bzgl. einer zusätzlichen Chemotherapie besteht derzeit keine einheitliche
Meinung. Die Anlage eines protektiven Tracheostomas oder die Stent-Implantation
ist dagegen in dieser Situation angezeigt.
Literatur:
Tumorzentrum München, (11-Juli-1997)